Freital-Potschappel - Freital-Hainsberg (PHV/VPHV)
mit den Industriebahnen DWIL, DWIR und DWIV
Lage [km] HSO Station/Objekt [Anschlussgleislänge]
-0,52 PHV 161,83 Bf Freital-Potschappel
-0,10 Wiederitzbrücke
0,29 EÜ Lutherstraße
0,895 BÜ Schachtstraße
1,156 170,64 Durchlass Wettingrundgraben
1,262 171,72 BÜ Hüttenstraße
2,070 177,11 BÜ Am Stahlwerk
2,134 177,54 Trennung DWIR-Linie
0,000 VPHV 177,54 Trennung DWIR-Linie
0,054 Unterführungstunnel DW (Güterzuggleise)
0,099 BÜ Güterbahnhofstraße
0,600 182,94 Bf Freital-Hainsberg
0,000 DWIL 169 Anst AG Glasindustrie [1 900 m]
0,130 169,92 BÜ Schachtstraße
0,166 170,03 Anst Konsumgenossenschaft [120 m]
0,334 170,50 Anst Maschinenfabrik Vogel & Schlegel
0,380 170,63 Brücke Wettingrundgraben
0,447 170,86 Abzw DWIV-Linie
0,465 170,93 Anst Kohlenhandel Weickert [50 m]
0,490 171,02 BÜ Poststraße
0,499 171,05 Anst Straßenbahnhof Deuben [290 m]
0,572 171,04 Anst Kohlenhandel Jährig [48 m]
Anst Wohnungswirtschaft
0,668 170,24 BÜ Dresdner Straße
0,720 170,20 Anst Kraftwerke Freital AG [260 m]
0,856 170,09 Streckenende
-0,52 DWIR 161,83 Bf Freital-Potschappel
-0,10 Wiederitzbrücke
-0,08 163,27 Anst Carolaschacht [1 091 m]
Anst AG Sächsische Werke
0,29 EÜ Lutherstraße
0,895 BÜ Schachtstraße
1,033 169,27 Abzw DWIV-Linie
1,156 170,64 Durchlass Wettingrundgraben
1,262 171,72 BÜ Hüttenstraße
1,967 177,11 Anst Sächs. Gußstahlwerke Döhlen AG
Anst BGH Edelstahlwerk Freital
1,997 177,11 Anst Bauhütte Deuben
Anst Kühnel
2,068 177,11 Anst Glashüttenwerk Gebr. Malky
2,070 177,11 BÜ Am Stahlwerk
2,134 177,54 Trennung PHV-Linie
2,400 181 Anst Sächsische Glashütte
Anst Maschinenfabrik Hartmann
2,833 182,94 Bf Freital-Hainsberg
0,000 DWIV 169,27 Abzw DWIR-Linie
0,098 170,10 Unterführungstunnel DW
0,120 170,29 Brücke Wettingrundgraben
0,187 170,86 Abzw DWIL-Linie
1. Vorgeschichte und Bau
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war die DW-Strecke zwischen Dresden und Tharandt an ihrer Kapazitätsgrenze angelangt. Die zahlreichen Bahnübergänge in den Industriegemeinden Potschappel, Deuben und Hainsberg behinderten auch den Verkehrsfluss auf den Straßen. Als Lösung kam nur eine Hochlegung der Eisenbahnstrecke, verbunden mit einem mehrgleisigen Ausbau in Frage. Dabei musste neben der Einbindung der Schmalspurstrecken Potschappel - Nossen und Hainsberg - Kipsdorf auch die Anschlussbedienung der Industrie entlang der Strecke berücksichtigt werden. Die Anlage eines Industriegleises parallel zur DW-Linie unterhalb des neuen Bahndammes war somit unverzichtbar. Mit einbeziehen konnte man die seit dem 08.11.1875 bestehende Kohlenbahn zum Carolaschacht.
Nach der Inbetriebnahme der hochgelegten DW-Linie am 18.04.1905 nutzte man das rechte Gleis der während des Umbaus betriebenen Strecke als regelspurige Industriebahn DWIR weiter. Auf der linken Seite wurde das DWIL-Gleis neu angelegt und am Hp Deuben über die DWIV-Kurve mit dem rechten Industriegleis verbunden. Die Strecke DWIL besaß eine eigenwillige Stationierung (Beginn und Ende an Anschlussgleisen) und entsprach teilweise der 1856 eröffneten Augustusschacht-Zweigbahn (DWA-Linie).
Für den Austausch der Schmalspurfahrzeuge zwischen dem Wilsdruffer Netz und der Strecke Hainsberg - Kipsdorf war die Errichtung eines Übergabegleises angedacht. Das Neubauamt Hainsberg ließ dazu ein Kreuzungsbauwerk unter den Güterzuggleisen eingangs des Bf Hainsberg anlegen. Im Dezember 1910 vollendete man den Westteil des Bauwerks und nahm die neuen Güterzuggleise im Bereich des Bahnhofs in Betrieb. Der östliche Teil der Unterführung trug nur ein Ausziehgleis und entstand 1911.
Im November 1911 ersuchte die Gemeindeverwaltung Deuben das Finanzministerium um baldige Fertigstellung der schmalspurigen Verbindungsstrecke. Beabsichtigt war, die Personenzüge ins Osterzgebirge bereits in Potschappel beginnen zu lassen und in Deuben einen Haltepunkt einzurichten.
Am 12.01.1912 entschied man sich für die Einlegung einer dritten Schiene in das DWIR-Gleis. Da dieses bereits durch viele Übergabefahrten belegt war, widersprach das Finanzministerium der Einrichtung eines Personenverkehrs, zumal eine Straßenbahnverbindung durch die Gemeinden des Plauenschen Grundes bestand.
Das schmalspurige Gleis begann offiziell auf freier Strecke bei Stat. 74+22 DW in Höhe der SÜ Wilsdruffer Straße, nutzte bis zur Trennung von der DWIR-Strecke (Stat. 21+34,2) die Hektometersteine des Regelspurgleises und erhielt die Bezeichnung PHV. Die kurze Rampenstrecke in den Bf Hainsberg bekam interessanterweise eine eigene Stationierung und das Kürzel VPHV zugewiesen. Nach der Stilllegung der WCd-Linie ab Schönheide Süd befand sich hier mit einer Neigung von 1:20 der steilste Streckenabschnitt der sächsischen Schmalspurbahnen.
Die Bauarbeiten begannen im Frühjahr 1913. Zum Bauablauf ist nur vermerkt, dass 1912 rechts der Stat. 80 bis 82 DW Land erworben wurde. Das PHV-Gleis konnte am 10.09.1913 in Betrieb genommen werden. [1],[2]

2. Betrieb und Stilllegung
Eine Besonderheit des PHV-Gleises war, dass es - im Gegensatz zum DWIR-Gleis - keine Anschlussgleise besaß und ausschließlich dem Wagenaustausch und der Beförderung von Stückgutladungen zwischen den Spurwechselbahnhöfen Potschappel und Hainsberg diente. Das Dreischienengleis durfte mit maximal 20 km/h befahren werden. Aufgrund der fehlenden Ausweichmöglichkeit war zwischen den Bahnhöfen war nur ein Zug erlaubt. Alle Bahnübergänge, auch die des DWIL-Gleises, waren mit ortsbedienten Vollschranken ausgestattet. Lediglich der BÜ Güterbahnhofstraße erhielt später eine moderne Blinklichtanlage. An der Schachtstraße befand sich der Posten PHV 1a, dem zusätzlich die Bedienung der Schranken am DWIL-Gleis oblag.
Kilometertafel aus dem Jahr 1955:

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden einige Gleisanlagen entbehrlich. Die früheren Gussstahlwerke entstanden neu als Edelstahlwerk Freital und vereinnahmten das DWIR/PHV-Gleis ab dem BÜ Hüttenstraße. Das DWIR-Gleis wurde zwischen km 1,033 und 2,0 abgebaut (äußere Schiene des Dreischienengleises) und ab km 2,134 in eine Wagenübergabestelle umgestaltet. Das Unterführungsbauwerk in Hainsberg erhielt 1965 ein Gleistor, für das DR und Edelstahlwerk Schlüssel besaßen. An diesem Zustand hatte sich bis zuletzt nichts geändert.
Das DWIL-Gleis erwies sich durch die niveaugleiche Kreuzung mit der Straßenbahn als Verkehrshindernis und wurde frühzeitig ab dem Straßenbahnhof Deuben abgebaut. Nach der Einstellung der Deubener Güterstraßenbahn im November 1972 wurde auch der Rest des östlichen Zweiges entbehrlich. Der nördliche Abschnitt zum Glaswerk existierte länger.
Sonderfahrplan vom 24.03.1996:
-->Station<--9.4711.4713.4714.4716.17Bf Freital-Hainsberg10.3512.3014.3015.3017.0010.0712.0714.0715.0716.37Bf Freital-Potschappel10.1512.1014.1015.1016.40 | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | |
Abgesehen von einigen Sonderfahrten zu Beginn der sechziger Jahre war das PHV-Gleis für den Personenverkehr über Jahrzehnte tabu.
Am 24.03.1996 fanden erstmals privat organisierte Pendelfahrten (mit 99 1771 und 99 1777) zwischen Potschappel und Hainsberg statt, die sich großer Beliebtheit erfreuten. Zum "Tag des offenen Denkmals" am 09.09.2001 gab es weitere Fahrten, zu denen trotz strömenden Regens 600 Fahrgäste erschienen. An der WAS in Potschappel schuf man eine Umsetzmöglichkeit und reaktivierte den alten Bahnsteig, so dass der Pendelbetrieb mit Zug- und Schlusslok entfallen konnte.
Doch die bittere Realität holte das letzte Schmalspurkleinod in Sachsen schnell ein. Letzte öffentliche Fahrten fanden zum "Dresdner Dampflokfest" vom 18. bis 20.05.2002 (mit 99 1608 und 99 1713 vor täglich acht Zugpaaren!) und - kurz nach der Hochwasserkatastrophe - im September des Jahres statt. Zu diesem Zeitpunkt stand bereits fest, dass die Verbindungsbahn dem Ausbau der "Sachsenmagistrale" weichen sollte.
Am 03.12.2002 wurde die Strecke stillgelegt, nachdem am Vortag 99 1762 den letzten Übergabezug befördert hatte. Kurze Zeit später verschwand das VPHV-Gleis und Abbruch und Verfüllung des Kreuzungsbauwerkes schlossen sich an. Die Unterführung des ungenutzten DWIV-Gleises beseitigte man im Jahr 2003. [1],[3]

3. Spurensuche
Von den gemischtspurigen Gleisanlagen, die noch vor wenigen Jahren die Stadt Freital durchzogen, sind leider nur noch bescheidene Überbleibsel zu besichtigen.
Das PHV-Gleis wurde bis auf dreischienige Reste im Gelände des Edelstahlwerkes und im Bf Freital-Potschappel komplett abgebaut, der Oberbau des DWIR-Gleises gleichzeitig erneuert. Zur Anschlussbedienung lag es im Februar 2004 noch zwischen Freital-Potschappel und dem BÜ Schachtstraße sowie vom Gelände nördlich der Hüttenstraße bis in den Güterteil des Bf Freital-Hainsberg.
Die Gleisfragmente im Bf Freital-Potschappel dürften früher oder später abgebaut werden. Längere Überlebenschancen hat der dreischienige Abschnitt im Gelände des Edelstahlwerkes. Über die Straße "Am Stahlwerk" lässt sich dieser - auch am Wochenende - gut besichtigen. Dem Wachpersonal des Unternehmens sollte man jedoch erst sein Anliegen schildern, ehe man das Betriebsgelände durchstreift. Ansonsten existieren nur noch Gleisreste in den Bahnübergängen und leere Trassen. Der interessante Einschnitt am Bf Freital-Hainsberg wurde verfüllt.

4. Fotos 
Quellen und weiterführende Literatur
[1] Thiel, H.-Chr.: "Schmalspurbahn Freital-Hainsberg - Kipsdorf", Verlag Kenning, Nordhorn 1996
[2] "Eisenbahn-Journal Archiv (Sachsenreport)", Band 5 und 8
[3] Infoblatt zur Sonderfahrt am 24.03.1996
[4] M. Wollmann, www.stillgelegt.de
[5] AID GmbH, Dresden, www.aid-ajjour.de
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© 2004 Jens Herbach
aktualisiert: 23.09.2004