Mockrehna Süd - Gneisenaustadt Schildau
Lage [km] HSO Station/Objekt [Anschlussgleislänge]
0,000 KSM 101 Bf Mockrehna Süd
0,15 101,2 BÜ Schildauer Straße (S 16)
1,63 100 Brücke Schwarzer Graben
1,65 100 BÜ Dorfstraße (S 20)
1,90 100 Hst Audenhain
2,15 100 Anst BHG Audenhain [220 m]
4,75 110 Anst Porphyrbruch Kirchhoff & Wolf
[1921-1970, 350 m]
Anst VEB Splittwerk Röcknitz-Hohnstädt
[1970]
4,76 110 Hst Wildschütz
4,85 110 BÜ Kobershainer Straße (K 8983)
5,70 112 Durchlass Bach
7,90 118,6 Hst Probsthain (Kr Torgau)
8,85 Durchlass Bach
8,95 116 BÜ S 16
10,00 111 Durchlass Heidebach
10,20 110 BÜ Klitzschener Straße (K 8985)
10,483 110 Bf Gneisenaustadt Schildau
10,550 110 Streckenende
1. Streckengeschichte
Nach Eröffnung der Strecke Eilenburg - Falkenberg im Jahr 1872 lag die Kleinstadt Schildau im eisenbahntechnisch unerschlossenen Hinterland der Provinz Sachsen. Einen Eisenbahnanschluss zur Hauptstrecke lehnte die KPEV mangels Rentabilität ab. Mehrere privat ausgearbeitete Streckenprojekte, darunter eine elektrische Meterspurbahn Torgau - Schildau, scheiterten an der Finanzierung. Im 1914 aufgeschlossenen Wildschützer Steinbruch behalf man sich mit einer fünf Kilometer langen Feldbahn zum Bf Mockrehna, über die auch Material für den Bau des Leipziger Völkerschlachtdenkmals transportiert wurde.
Als die Werkbahn kurze Zeit später neu verlegt werden sollte, bot das Berliner Bauunternehmen Conrad die Ausführung als regelspurige Kleinbahn an. Der Antrag für die Vorarbeiten zur Strecke am 01.02.1915 wurde zwar bewilligt, die Projektierung verzögerte sich jedoch kriegsbedingt. In der Stadt Schildau drängte ein mittlerweile gegründetes Eisenbahnkomitee auf die rasche Fertigstellung des Gleisanschlusses, da immer mehr Arbeiter abwanderten. Ende 1916 lagen erste Pläne vor, denen am 15.09.1919 die Gründung der "Kleinbahn AG Schildau-Mockrehna" mit einem Grundkapital von 1,29 Mio. Mark folgte. Neun Tage später erteilte das Regierungspräsidium Merseburg die Konzession zum Bau und Betrieb der Strecke. Die Betriebsgenehmigung wurde für immerhin 120 Jahre (!) erteilt.
Im Februar 1920 begannen die Arbeiten, die aufgrund der zunehmenden Inflation nur schleppend voran gingen. Die Trassierung durch das flache Land bereitete hingegen keine Schwierigkeiten. Bis zum September war die Hälfte der Strecke fertiggestellt, wobei gebrauchtes Oberbaumaterial zum Einsatz kam.
Obwohl der Streckenabschnitt Mockrehna - Wildschütz bereits am 30.04.1921 abgenommen werden konnte, begann der Güterverkehr erst am 26. August des Jahres. Die betriebsfähige Vollendung der Strecke bis zum Sommer 1922 erforderte eine enorme Aufstockung des Aktienkapitals.
Fahrpläne von 1925, 1939, 1944/45, 1955/56, 1965/66, 1970/71 und 1971 
Am 27.08.1922 beförderte die spätere Nr. 3 den Eröffnungszug über die Reststrecke bis Schildau und am 1. September folgte die Aufnahme des durchgehenden Personen- und Güterverkehrs. Anfangs verkehrten täglich nur drei Zugpaare.
Die Fahrzeuge der Kleinbahn
Nr. 1 Cn2t (Henschel 21846/1931) 89 6310 1931 neu
07.1961 Verkauf an VEB Kalikombinat Werra, Dorndorf
Nr. 21 Cn2t (Union 791/1894) 89 6004 03.1924 Übernahme von DRG
1936 Verkauf an Sachsenwerk Stendal
Nr. 22 Cn2t (Henschel 6279/1902) 89 6116 05.1937 Übernahme von Kleinbahn Wallwitz-Wettin
Nr. 3 Bn2t (Henschel 2140/1886) 1921 Übernahme von DRG
1934 verschrottet
Nr. T1 1-Adm (Lindner ?/1938) VT 135 535 1938 neuEine Statistik aus dem Jahr 1938 weist Baukosten von 488 482 RM aus. Entlang der Strecke existierten zwei Anschlussgleise (insgesamt 810 m), wobei der Wildschützer Steinbruch ca. 85 % des Güterverkehrsaufkommens verursachte. Die Verladeanlagen wurden 1935 durch das heute noch vorhandene Bunker- und Brechergebäude ergänzt.
Die Hochbauten der Zwischenstationen waren bescheiden, lediglich Wildschütz erhielt ein massives Stationsgebäude. Die Wartehallen errichtete man erst Ende der 20er Jahre. Repräsentativ dagegen war das Empfangsgebäude in Schildau, das gleichzeitig den Verwaltungssitz der Kleinbahn AG beherbergte. Als Besonderheit entstand hier außerdem ein zweigleisiger Lokschuppen, der später durch einen dritten Stand ergänzt und mit einer Wasserstation versehen wurde.
Der bescheidene Fahrzeugpark bestand 1938 aus zwei Dampflokomotiven sowie vier gebraucht erworbenen Wagen. Im gleichen Jahr gesellte sich ein Triebwagen dazu, der für lange Zeit den Personenverkehr übernahm. Ab dem 17.12.1942 nannte sich das Unternehmen "Eisenbahn-AG Schildau-Mockrehna".
Mit der Verstaatlichung der Kleinbahnen übernahm am 01.01.1947 die "Sächsische Provinzbahnen GmbH" mit Sitz in Halle (Saale) die Betriebsführung. Am 01.04.1949 ging die Strecke in das Eigentum der DR über.
Bis Ende der sechziger Jahre war die ehemalige Kleinbahn als Transportmittel für die Landbevölkerung unverzichtbar. Im Dezember 1970 stellte der Steinbruch die Förderung ein, das Aus für die Strecke kam zum Fahrplanwechsel 1971. Am 22. Mai des Jahres verkehrten die letzten Züge zwischen Schildau und Mockrehna. Offiziell wurde die Strecke am 26.09.1971 stillgelegt und zum Abbau freigegeben. [1],[2],[3],[4],[6],[7]

2. Spurensuche
Obwohl 2002 die letzten (gut erhaltenen) 800 m Streckengleis am Bf Mockrehna verschwanden, lohnt eine Streckenbesichtigung. Die ziemlich unbekannte Nebenbahn gerät auf diesem Weg nicht in Vergessenheit.
Der größte Teil der 10,5 Kilometer lässt sich auf Straßen oder Wegen zurücklegen. Empfehlenswert ist die Nutzung einer Topografischen Karte (Blatt L 4542 "Torgau W"), um markante Trassenpunkte aufzufinden.
Start ist im Bf Mockrehna. Zwischen Hauptbahngleisen und Wohnhaus befand sich der Bahnsteig der Kleinbahn, der bis Mitte der fünfziger Jahre als "Mockrehna Süd" bezeichnet wurde. Nach dem Bahnübergang wand sich die Strecke nach Süden. Am Rand eines Industriegebietes endete bis vor wenigen Jahren das Gleis an einem Prellbock.
Der nachfolgende Abschnitt bis Oberaudenhain wurde für die Landwirtschaft eingeebnet. Im Ort findet sich noch eine flache Betonbrücke über einen Graben (das größte Brückenbauwerk der Strecke) und das Lagergebäude der BHG. Bis Wildschütz wird die Trasse als Weg genutzt; an der Bahnstation, die weit außerhalb des Ortes an der gepflasterten Bahnhofstraße lag, erinnert das markante Wohnhaus an die Bestimmung des Geländes. Der Steinbruch wurde nach der Stilllegung geflutet und ist heute ein beliebtes, fast 80 m tiefes Tauchgewässer.
Hinter Wildschütz folgt anfangs ein Wirtschaftsweg der bewachsenen Trasse. Nach etwa einem Kilometer unterbricht ein Acker den früheren Streckenverlauf. Am jenseitigen Ende ist der bewachsene Bahndamm erkennbar, der bis Probsthain führt. Auf dem Gelände der Bahnstation gibt es keine original erhaltenen Hochbauten mehr. Reste des Bahndamms mit einer Rohrschleuse finden sich wieder vor der Straßenkreuzung. An ein kurzes Dammstück im Tal des Heidebaches schließt sich das weitläufige Gelände des Endbahnhofs an. Neben einem Supermarkt und moderner Wohnbebauung befindet sich das (leider ungenutzte) Empfangsgebäude als letztes Relikt der Strecke Mockrehna - Schildau, nachdem 1987 der Lokschuppen dem Abriss zum Opfer fiel. [4],[6]
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3. Fotos 
Quellen und weiterführende Literatur
[1] List/Röper/Zieglgänsberger: "Klein- und Privatbahnarchiv - Sachsen-Anhalt", transpress-Verlag, Stuttgart 1998
[2] "Statistik der Eisenbahnen im Deutschen Reiche 1938", Reichsbahn-Zentralamt, Berlin 1940
[3] "Eisenbahn-Kurier", Ausgabe 06/03
[4] Scheffler, R.: "Mockrehna - Gneisenaustadt Schildau" aus "Neben- und Schmalspurbahnen in Deutschland", Sammelwerk GeraNova-Verlag
[5] Scheffler, R.: "Damals in Schildau ..." in "Eisenbahn-Journal", Ausgabe 05/92
[6] www.tsbuder.de
[7] www.schubert-roecknitz.de
Web-Tipp
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ksm.railserve.de
www.sachsenschiene.de
© 2004 Jens Herbach
aktualisiert: 13.11.2004