<< Service >>

Updates
Literatur
Begriffe
Quellen
Abkürzungen
Strecken-
kürzel
KBS-
Übersicht
Chronik
1837-1889
Chronik
1890-1939
Chronik
1940-1979
Chronik
1980-2005
Landeskunde
Spurensuche

Spurensuche an abgebauten Eisenbahnstrecken


Beispiele und Anregungen für eigene Streckenerkundungen

Wer sich näher mit der Geschichte einer Eisenbahnstrecke beschäftigt, wird diese früher oder später vor Ort erkunden. Nicht immer geben Archivmaterial und Fachliteratur genügend Auskunft zu Ingenieurbauwerken, Bahnhofsgebäuden und der Trassenführung. Im Folgenden sollen einige Aspekte bei der Erkundung abgebauter Strecken vorgestellt werden.

Nur wenige Eisenbahntrassen lassen sich ohne Kartenmaterial zweifelsfrei in der Natur verfolgen, so dass eine topografische Karte als Grundlage jeder Streckenerkundung unverzichtbar ist. Im Gegensatz zu einer einfachen Straßen- oder Wanderkarte beinhaltet sie auch die Darstellung abgebauter Gleisanlagen.
Während der Maßstab 1:25 000 (TK 25) sehr detailliert und somit für die häusliche Vorbereitung und Erkundungen zu Fuß geeignet ist, bieten Karten im Maßstab 1:50 000 (TK 50) eine bessere Übersicht bei kaum reduziertem Inhalt. Die blattschnittfreie digitale Ausgabe dieses Kartenwerkes (TOP 50) ermöglicht sogar eine relativ genaue Streckenmessung am heimischen Computer und den Ausdruck beliebiger Kartenausschnitte.
Historische Messtischblätter im Maßstab 1:25 000 stellen den Bezug zur nicht mehr vorhandenen Eisenbahnstrecke her. Dabei ist zu beachten, dass sich die Kartenzeichen von historischen und aktuellen Karten unterscheiden, ebenso die Höhendarstellungen und das Höhenbezugssystem.

Verschiedene Kartenbilder des Streckenabschnittes Eschdorf - Schullwitz-Eschdorf der Linie NWg:

StreckenkarteReichskarte 1:100 000 (vergrößert)
© Landesvermessungsamt SachsenTopografische Karte 1:50 000
© Landesvermessungsamt Sachsen

Messtischblatt 1:25 000
© Landesvermessungsamt SachsenTopografische Karte 1:25 000
© Landesvermessungsamt Sachsen

Sinnvoll zur Vorbereitung einer Streckenerkundung ist die lagemäßige Verknüpfung bekannter und möglicherweise auffindbarer Objekte (Bahnhofsgebäude, Brücken und Durchlässe, Wegübergänge) mit unbekannten Objekten. Mit den Kilometerangaben einer Streckenkarte und den gemessenen Abständen aus der topografischen Karte lässt sich leicht eine Liste, beginnend beim km 0 der Strecke erstellen. Hier hinein können später vor Ort Ergänzungen oder Korrekturen eingetragen werden.

Noch existierende Kilometersteine sind eine wertvolle Hilfe bei der Lagebestimmung entlang der Trasse, jedoch kann man sich nicht in jedem Fall auf ihren unveränderten Standort verlassen. Als effektiv hat sich die "Streckenbefahrung" mit dem Fahrrad erwiesen. Der (richtig eingestellte) Kilometerzähler erspart hier das manuelle Abschreiten von Längendistanzen. Dass man dabei möglichst in der früheren Bahnachse fahren sollte, ist selbstverständlich, aber leider nicht immer realisierbar.

Kilometerstein bei Dorna-Döben
[Strecke GW]
Schwellenreste bei Pirna-Zehista
[Strecke PGc]
Vermessungspunkt bei Lottengrün
[Strecke LPC]

Fotoapparat und Notizbuch sollten bei Streckenbegehungen stets griffbereit sein. Ein empfindlicher Film sorgt für akzeptable Fotos in dicht bewachsenen Trassenabschnitten. Zu jedem Foto gehört eine Standortnotiz, da die spätere Zuordnung ohne Lageangabe schwierig sein kann. Fotografierte Kilometersteine (sofern mit erkennbarer Beschriftung) kennzeichnen die Bildfolge zusätzlich.

Vorhandene Ingenieurbauwerke und Hochbauten sind das "Highlight" einer jeden Trassenerkundung. Wer eine Dokumentation zur Strecke plant, sollte etwas mehr Zeit investieren und Detailfotos oder Handskizzen (Grundrisse o.ä.) anfertigen. Nicht immer sind alte Bauakten mit Maßangaben vorhanden oder es gibt widersprüchliche Angaben in verschiedenen Quellen, so dass sich das Nachmessen vor Ort anbietet. Bei größeren Brücken muss man sich eventuell auf sein Schrittmaß verlassen, bei kleinen Bauwerken hilft ein Messband oder ein elektronischer Distanzmesser.

Trasse als Weg in Börtewitz
[Strecke NK]
Trasse als Straße in Bad Lausick
[Strecke BGr]
untergepflügte Trasse bei Colmnitz
[Strecke KF]
EG als Feuerwehrdepot in Wurgwitz
[Strecke PNo]
Planum der Station Cunnersdorf
[Strecke NWg]
Stationsgelände als Busbahnhof in Thurm
[Strecke MO]

Während man bei Ingenieurbauwerken oftmals noch das Original vorfindet, wurden Trassenabschnitte oder Stationsgelände nach dem Abbau der Gleisanlagen in vielen Fällen zweckentfremdet. Dies reicht von An- und Umbauten der Gebäude über Neubebauung und Abriss bis zum Verfüllen von Einschnitten oder Unterpflügen ganzer Trassenabschnitte. Besonders in Ortsdurchfahrten ist der frühere Streckenverlauf ohne einen Vergleich mit der historischen Karte kaum noch auffindbar. Eine Umnutzung der Trasse erfolgte zumeist als Wirtschaftsweg, in den Ortslagen auch als Straße oder Fuß-/Radweg. Wenn es möglich war, bezog man vorhandene Brückenbauwerke und Durchlässe darin ein.

Anhand der Ausprägung im Gelände kann nach folgenden Trassenlagen unterschieden werden:
  • geländegleiche Lage
  • Lage an einer Geländekante
  • Lage im Auftrag (Damm)
  • Lage im Abtrag (Einschnitt)
  • Lage im Anschnitt
Am markantesten und oft noch Jahrzehnte nach der Stilllegung erhalten sind Felseinschnitte. Abgesehen von Resten des Schotterbettes und Schwellenabdrücken bieten auch der Pflanzenwuchs sogenannter Ruderalpflanzen (Birke, Brennnessel) und die Schneisenlage im Wald eine Erkennungsmöglichkeit. Glücksfälle sind das Auffinden von Kilometersteinen, Gleisvermarkungen, Telegrafenmasten oder Überbleibseln von Signalen, Sicherungsanlagen oder Streckenfernsprechern.

geländegleiche Lage bei Oberdorf-Beutha
[Strecke ZC]
Lage an einer Geländekante bei Wermsdorf
[Strecke MN]
Lage im Anschnitt bei Oberlochmühle
[Strecke KD]
Lage im Einschnitt bei Schönbrunn
[Strecke KBi]
Dammlage bei Zaschwitz
[Strecke OD]
Lage in einer Waldschneise bei Arnsgrün
[Strecke AA]

Auffindbare Ingenieurbauwerke können sein:
  • Tunnel
  • Brücken und Viadukte (aus Naturstein, Ziegel, Stahl oder Beton) bzw. deren Pfeiler und Widerlager
  • Überführungen
  • Durchlässe (Wölb-, Deck- und Rohrschleusen)
  • Stützbauwerke (Mauern, Gewölbe)
Die unterschiedliche Entstehungszeit dieser Bauten spiegelt sich in Material und Gestaltung wider. Bis um 1900 dominierte bei Massivbrücken der Naturstein, danach der Beton, anfangs auch als "Cement-Concretmauerwerk" (bruchsteinverkleideter Betonkern). Nur wenige Tunnelbauwerke abgebauter Strecken sind als Bestandteil öffentlicher Wege begehbar.

Gewölbebrücke bei Kleinnaundorf
[Strecke PP]
Stahlbrücke in Polenz
[Strecke WG]
Betonbrücke bei Plattenthal
[Strecke WKw]
bruchsteinverkleidete Betonbrücke in Mittweida
[Strecke MRl]
Wegüberführung bei Schönheide
[Strecke WCd]
Durchlass in Ebersbach
[Strecke PR]
Tunnel bei Goßdorf-Kohlmühle
[Strecke KH]
Stützmauer in Unterrittersgrün
[Strecke GR]
Stützgewölbe bei Naundorf
[Strecke KO]

Quellen

[1] Schwach, G.:"Spurensuche nach stillgelegten und abgebauten Eisenbahnlinien ..." aus "Streckenarchiv Deutsche Eisenbahnen", Sammelwerk EK-Verlag
Fragen? Korrekturen? Ergänzungen? - Schnell und bequem geht´s mit dem Kontaktformular.

www.sachsenschiene.de
© 2010 Jens Herbach
aktualisiert: 21.12.2006
Updates | Literatur | Begriffe/Quellen | Abkürzungen | Streckenkürzel | KBS-Übersicht
Chronik bis 1889 | Chronik bis 1939 | Chronik bis 1979 | Chronik bis 2005 | Landeskunde